Kirche:

Zunächst wurde der Verstorbene in die Kirche getragen. In der Mitte der Kirche oder im Chor setzte man die Bahre zwischen den Lichtern ab. Durch die Totenmesse wurde die Gemeinde sich in besonderer Weise ihrer Gemeinschaft mit den Verstorbenen bewusst.

Im Frühmittelalter hatte man nach dem Tod die Vereinigung der Seele mit Christus und seinen Heiligen gefeiert, so verwies die Liturgie im Hochmittelalter mehr auf das Gericht. Dies wurde Beides mit einem Gedicht eines unbekannten Künstlers verbunden, das 1249, von Franziskanern in die Texte für Verstorbene aufgenommen und in der Messe für den einzelnen Toten und an „Allerseelen“ gebetet wurde (bis 1969).

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Bevor das Evangelium verlesen wurde sprach oder sang man das “Dies irae“,  es ist wohl das repräsentativste, kulturell folgenreichste und berühmteste Gedicht des lateinischen Mittelalters. Die Sequenz wird ins ausgehende 12. Jahrhundert datiert, die überlieferte bekannte Form aus der ersten Hälfte des 13.Jahrhundert.Im Mittelalter wurde es schon in viele Volkssprachen übersetzt, auch hatte das „Dies irae“ Komponisten zu Vertonungen angeregt z. B. Mozarts „Requiem“ oder die “Symphonie Phantastique“ von Berlioz, Goethes „Faust“, es gehört zur literarischen und musikalischen Kultur Europas.
Nach dem Eingangswort „requiem“ wurde die ganze liturgische Totenfeier benannt.

(Die „Totenmessen“ werden noch ein eigenes Thema, da die Berichte darüber sehr umfangreich und unterschiedlich beschrieben sind.)
http://home.t-online.de/home/johannes-apokalypse/requiem.htm#recordare

Die Beisetzung

Wie der Trauergottesdienst ist auch die Beisetzung reglementiert.

Am offenen Grab welches 6Fußx2Fußx6Fuß groß sein sollte(was es aber meistens nicht war,  die Ärmsten wurden nur verscharrt oder in Gräben gelegt, auch auf den Schindanger), wurde der Verstorbene noch ein letztes Mal mit Weihwasser besprengt und inzensiert. Nach einleitenden Worten des Priesters wurde der Tote im Tuch, oder wenn es eine höhergestellte Person war, im Sarg, ins Grab eingesenkt. Es folgte die Bestattungsformel, Credo und das Gebet für die Verstorbenen und die Lebenden, sie schließen das Ritual ab.

Der Priester warf die ersten Schaufeln mit Erde auf den Toten, danach waren die übrigen Menschen des Trauerzugs an der Reihe. Der Verstorbene sollte Ruhe finden und auch die Lebenden wollten vor ihm sicher sein.

Testamentsvorlesungen fanden öffentlich  auf dem Friedhof statt. Wer vom Verstorbenen bedacht wurde oder noch Forderungen gegen den Verstorbenen hatte, wusste danach an wen er sich zu wenden hatte; denn auch die Testamentsvollstrecker wurden hier bekannt gemacht.

Bestattungsformel

z.B. „Der Herr über Leben und Tod hat (Namen des Verstorbenen) aus diesem Leben abgerufen. Es folgt dreimaliger Erdaufwurf; er symbolisiert die Vergänglichkeit des Menschen. So spricht der Herr, der uns geschaffen hat: Von Erde bist du gekommen, zu Erde sollst du werden. Wir aber hoffen auf unseren Herrn Jesus Christus, der da spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich der wird nimmermehr sterben.“ Anschließend befiehlt man (mit einem Kreuzzeichen) den Verstorbenen in Gottes Hand.

Beim hinunter lassen des Sarges ins Grab: “Wir übergeben den Leib der Erde, Christus, der von den Toten auferstanden ist, wird auch (Namen des Verstorbenen) zum Leben erwecken.“

Der Priester besprengt den Leichnam oder den Sarg mit Weihwasser, ehrt ihn durch Beweihräucherung und wirft etwas Erde darauf, während er spricht. “Von Erde bist du genommen, und zur Erde kehrst du zurück. Der Herr aber wird dich neu gestalten.“ Danach macht er ein Kreuzzeichen und spricht: „Im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus sei dir und uns allen Auferstehung und Heil. Der Friede sei mit dir.“

Zum Thema „Testament“ kann ich ein sehr informatives Büchlein empfehlen es ist von:

Hartmut Boockmann „Leben und Sterben in einer Spätmittelalterlichen Stadt“
Vandenhoeck u. Ruprecht Göttingen 1983 ISBN 3-525-36183-1
Es handelt sich über ein Göttinger Testament des 15. Jahrhundert. Gut verständlich wird hier das Testament des Ratsherrn Hans von Oldendorp beschrieben und immer wieder erklärt warum etwas zu dieser Zeit so gehandhabt wurde. Was für mich sehr wichtig war, ist das es sich um ein deutsches Testament handelt (obwohl es bei „Aries“ auch einige Aufzeichnungen gibt…)
unter anderem ist noch das Testament der Margarete von Oldendorp beschrieben.
Aufzeichnungen des Göttinger Rats über die Tat und Hinrichtung des Kirchenräubers Roloff von Bünau.

Beisetzung in der Kirche:

Es wurden oft Männer und Frauen verehrt die zu Lebzeiten vorbildlich ihren Glauben bekannt oder besonders durch Nächstenliebe, der Buße oder Askese hervortraten. Wurde nun über ihrem Grab eine Kapelle oder Kirche gebaut, wollten viele Menschen diesen Heiligen sehr nahe sein, dies hatte zur Folge: Kleriker und auch Laien versuchten alles um innerhalb dieses Gotteshauses beigesetzt zu werden, das kann man an Beschlüssen kirchlicher Versammlungen sehn. Im 7. Jahrhundert verfügte eine Synode in Nantes: In der Kirche soll grundsätzlich niemand bestattet werden, allenfalls in der Vorhalle (in atrio), in der Säulenhalle(in porticu)oder außerhalb der Kirche.

Doch von solchen Verboten ließen sich die Menschen nicht großartig beeindrucken, wie früher als die Obrigkeit, Begräbnisse innerhalb der Stadt untersagten. Bischöfe und Äbte setzten sich als erstes über das von ihnen selbst erlassene Verbot hinweg. Nun, man konnte auch Königen, Herzöge und sonstigen Würdeträger die Grablege nicht verweigern, da sie oft die Kirche und den eigenen Begräbnisplatz geplant und finanziert hatten. Weitere Ausnahmen machte man für Mönche, Priester und auch Laien, die sich um die Kirche verdient gemacht oder als sehr fromm galten. Im 12. Jahrhundert durften dann alle Laien in der Kirche bestattet werden sofern sie es wünschten. Gern nahm man da so attraktive Kirchen wie die Peterskirche in Rom.

Doch schon bald war kein Platz mehr und man musste eine andere Regelung finden. Da die Kirche ja in einer ständigen Finanzmisere war, ist es verständlich, dass in späteren Jahrhunderten davor gewarnt werden musste, Wohlhabende zu bevorzugen. Auch in der Neuzeit war man sich nicht immer einig. Das Recht der katholischen Kirche erlaubt derzeit nur, den Papst, Kardinäle und Diözesanbischöfe innerhalb „ihrer“ jeweiligen Kirche beizusetzen.

Noch kurz zu „Ruhe in Frieden“, mit der „Ruhe“ war es damals nicht weit her. Mit Ruhe konnte vielleicht am wenigsten rechnen, wer in einem vornehmen Grab beigesetzt war. Wenn der Leichnam nicht gerade beraubt wurde, musste er doch schon bald damit rechnen einem anderen Platz zu machen und die Überreste wurden schnell entfernt. Wenn man Glück hatte wurde der Schädel bestenfalls in einem Beinhaus mit aufgeschichtet (auch ein Memento mori für die Lebenden)

Totenmahl

Nach der Beisetzung traf man sich zu einem gemeinsamen Mahl auch dieser Brauch geht in die vorchristliche Zeit zurück. Hier zeigte sich nochmals die Zusammengehörigkeit der Hinterbliebenen. Durch die gemeinsamen Unterhaltungen bekam der Verstorbene noch einmal ein Gesicht.
Der Leichenschmaus konnte auch als Entgelt für die Gebete gesehen werden. Die Auffassung war, das die Seele des Toten darauf angewiesen war, dass die Lebenden für sie Gebete sprachen. Für viele war das Totenmal auch Wegzehrung, manch Verwandter reiste von weit her an, um bei der Beerdigung und dem gemeinsamen Mahl dabei zu sein..

Der Volkstumsforscher Andree, weiß von einer Speisefolge beim Leichenschmaus zu berichten: Fleischbrühsuppe mit Fadennudeln und Hühnerfleisch; Reis in Milch gekocht, mit geschmolzener Butter übergossen; gekochtes Rindfleisch mit Rosinenbrühe; fettes Schweinefleisch mit Korinthen (wenn man so reich war…) dazu wurde Brandwein und Bier getrunken. Es gab frühere fürstliche Verordnungen von 1681 und 1696 da durften die Träger einige Tonnen Bier „versaufen“, während beim Kuhlengraben und Sargmachen nur ein viertel Fass ausgetrunken werden durfte. Trotz allem sah man im Leichenschmaus kein Gelage, sondern eine Vereinigung der Verwandtschaft von nah und fern. Andree sah diese Mahlzeiten wohl etwas zu positiv; denn 1816 wurden die Einladungen von Trauergästen zu einem Essen bei 20 Taler Strafe verboten. 

Auch wurde beim Leichenschmaus die neue Rangordnung gezeigt. Egal ob vielleicht der Platz des Verstorbenen freigehalten wurde oder auch seiner während des Mahls gedacht wurde, es waren soziale uns rechtliche Veränderungen eingetreten: Die Ehefrau war zur Witwe geworden, Kinder zu Halbwaisen(Waisen), meist wurde der älteste Sohn zum neuen Familienoberhaupt, dem auch die Witwe in einer Art Vormundschaft unterstand.

Ein vollständiges Bild dieses Brauches kann die vorstehende Darstellung nicht bieten. Es gab viele örtliche Besonderheiten die mehr und mehr durch sich kaum noch unterscheidende Formen verdrängt wurden

Quellen:
Das alte deutsche Leichenmahl in seiner Art und Entartung Gütersloh 1909
Sterben und Tod im Mittelalter Norbert Ohler.
Geschichte des Todes Philippe Aries