Tod

Um alle Zweifel am eingetretenen Tod zu beseitigen, wurden ältere Menschen hinzugezogen. Es war nicht immer einfach herauszufinden ob jemand wirklich Tod war, ältere Menschen hatten darin mehr Erfahrung sie schauten auf Symptome  wie: Stillstand von Atmung und Herz, Verfärbung der Haut, Muskelstarre, Leichenflecken und Leichengeruch…

Oft wurden die Verstorbenen von Frauen oder später auch von Mönche gewaschen, wie die als „Bad der Wiedergeburt“ verstandene Taufe, wie das besprengen mit Weihwasser, wie auch das Bad das der Pilger vor Ankunft der heiligen Stätte nahm, sollte das Waschen des Leichnams auch für kultische Reinheit zu sorgen. Denn bald kam der Tote in die Kirche.

Der Leichnam wurde nach seiner Reinigung angekleidet, mit einem „Totenhemd“ das er schon zu Lebzeiten erworben hatte (auch dies ein weiteres „Memento mori“).

Gewaschen und angekleidet wurde der Verstorbene im Sterbehaus und so aufgebahrt, das sein Gesicht sich zum Himmel richtete. Nun konnten die Angehörigen Abschied nehmen.

In südlichen Ländern oder bei starker Hitze im Sommer wurde der Verstorbene möglichst schnell beerdigt, oft noch am Tag des Todes, sonst blieben die Verstorbenen noch einen Tag aufgebahrt aber selten länger als drei Tage.

Der Leichnam wurde mit viel Weihrauch geehrt. Das Inzensieren vor und nach dem Tod sollte den Geruch am Sterbelager menschlicher Ausscheidungen oder den Verwesungsgestank überdecken. Doch eigentlich sollte die Inzensierung den Toten so ehren wie es in vorchristlicher Zeit Göttern vorbehalten war oder im christlichen Gottesdienst dem Bild des Gekreuzigten.

Angehörige und Freunde hielten die Totenwache, welche im Sommer einen Tag und im Winter zwei Tage betrug. Diese Wache, sprach Gebete und sie lasen oder sangen Psalme, denn weder Menschen noch Tiere oder böse Geister durften die Ruhe des Toten stören.

Trotz einiger Verbote und Rügen der Amtskirche ging es ab und zu recht lebhaft bei so einer Totenwache zu. Das es bei der Totenwache heiter zuging schien einige nicht zu stören, wie sollte man sonst erklären das in so manchem Testament die Wächter mit beträchtlichen Geldsummen bedacht wurden.

Die Haltung des Verstorbenen war genau geregelt. Im frühen Mittelalter wurde der Tote mit seitlich ausgestreckten Armen bestattet, später in Gebetshaltung und mit Blickrichtung nach Osten zum himmlischen Jerusalem. Ab dem 15.Jahrhundert bekam der Verstorbene den Rosenkranz in die Hände; er sollte „betend“ auf die Auferstehung und das ewige Leben warten. Um sich vor dem bösen Blick zu schützen wurden die Augen geschlossen. Archäologische Funde belegen auch das zunähen der Lidspalte.

 

Totenhemd:

Das Leichentuch und das Totenhemd, zu keiner Zeit war es im europäischen Gebieten üblich die Toten nackt oder in der Sterbekleidung zu bestatten. Durch das Christentum wurde die Jenseitsvorstellung geprägt. Die ursprüngliche Farbe für Trauer und Bestattungsriten war weiß, als Farbe der Auferstehung.
Mancher hatte sich schon zu Lebzeiten ein Totenhemd anfertigen lassen, manche Menschen nahmen es mit an einen Wallfahrtsort oder auf eine Pilgerreise um es mit einer Reliquie zu berühren. Mancher tauchte es beim Besuch im heiligen Land, in den Jordan.
In einigen Orten wurde das Totenhemd von der Familie und Angehörigen genäht, jeder tat einen Stich.

Leichenwäscherin oder Totenwäscherin, Totenfrau:

Die Leichenwäscherin war eine ledige oder verwitwete Frau aus dem Dorf oder Gemeinde, bevor es dieses Amt gab wurde die Arbeit von Nachbarsfrauen übernommen.

Die Aufgaben der Totenfrau bestand im ausziehen der Leiche, sie zu waschen, rasieren, wenn nötig wurden die Haare und Fingernägel geschnitten, sie legte dem Leichnam das Totenhemd an oder andere Kleidung (Sonntagsanzug oder Brautkleid), wenn es die Familie wünschte. Hier gibt es viele verschiedene Regeln, Rituale und Bräuche. Aber auch spielte immer der gesellschaftliche Stand eine große Rolle.

Um das Gesicht eines Verstorbenen vor schneller Verwesung  zu schützen, wurde es mit Brandwein bestrichen, zum Stützen des Kinns und schließen des Mundes legte man dem Toten das Gesangbuch unters Kinn.
Nach der Waschung, mussten alle Gegenstände die man benutzt hatte weggeworfen werden.
Als Lohn bekam die Totenfrau etwas Geld oder zu essen, teilweise hatte sie auch Anspruch auf die Kleidung des Verstorbenen.

Leichenbitterin:

Meist die gleiche Frau die auch die Leiche gewaschen und hergerichtet hatte. Sie unterrichtete Verwandten, Nachbarn und Bekannten vom Todesfall und lud sie zur Trauerfeier und dem Leichenschmaus ein, später verteilte sie auch die gedruckten Todesanzeigen. Ende des 19.Jahrhunderts wurde der Beruf abgeschafft.
Den „Todansagen“ galt nicht nur den Nachbarn sondern man rief es auch nach innen, dem Vieh (z.B. die Hühner wurden aufgeschreckt), Pflanzen und Gegenständen verrückt.

Begräbnis von Ledigen:

Besonderheit war das helle Farben vorherrschten, hinter dem Sarg liefen zwei in schwarz und weiß gekleidete Mädchen, „Weiße und Schwarze Braut“.
Die weiße Braut nimmt Abschied im Trauerhaus, die schwarze Braut am Grab, auch werden Brautrequisiten mit ins Grab gelegt. Dieser Brauch ist schon seid dem 10.Jahrhundert belegt.
Wenn eine Wöchnerin bestattet wurde lies man ihr die Schuhe an; Mutter und verstorbenes Kind wurden zusammen beerdigt.

 Das letzte Geleit

 Im Frühmittelalter war die Trauerbekundung und das Totengeleit einfach und weltlich, ohne viel kirchliche Beteiligung ( außer der Verstorbene war Kleriker); sie blieben den Angehörigen und Standesgenossen des Verschiedenen vorbehalten, die so Gelegenheit fanden, ihn zu beklagen, ihn zu lobpreisen und ihm ihre Ehrerbietung zu erweisen. Die Totesrituale waren vom Volk gemacht, und die Kirche schaltete sich nur zur Vergebung der Sünden ein.

Vom 13. Jahrhundert an, entwickeln sich in den Klöstern Wesenszüge, die offene Welt der Laien zu erobern. Der Tod wurde von da an für lange Zeit „klerikalisiert“.

 

Im Hochmittelalter scheint es durchaus nicht mehr so legitim oder gar üblich, die Selbstkontrolle bei der Beweinung der Toten zu verlieren. Üblich sind höchstens noch die beruflichen Klageweiber die in Städten weniger wurden und noch bis in das 18.Jahrhundert auf dem Land üblich waren.

Die Hauptrollen fallen künftig den Priestern zu, den Bettelmönchen oder mönchsähnlichen Laien mit religiösen Funktionen, wie den Dritten Orden oder den Bruderschaften, den neuen Todesspezialisten.

Die Lesung der Totenmesse ist an die Stelle der alten Wehklagen getreten. Die Totenwache ist zur kirchlichen Zeremonie geworden, die im Hause des Verstorbenen beginnt und sich zuweilen in der Kirche fortsetzt, mit den Stundengebeten für die Toten und den Gebeten zur Empfehlung der Seele.

Nach der Totenwache beginnt eine Zeremonie, der in der Symbolik des Leichenbegängnisses große Bedeutung zukommt: das Geleit, im Hochmittelalter wurde es eine geistliche Prozession. Die Angehörigen, die Freunde sind zwar nicht aus dem Geleit verbannt worden aber in erster Linie waren es die Priester und Mönche, die nun häufig den Leichnam tragen. Je nach  Reichtum und Stand des Verstorbenen, waren im Geleit mehr oder weniger, Arme, Kinder und Findelkinder aus Spitälern. Sie wurden in ein Trauergewand gekleidet, das der „cagoule“, der ärmellosen Mönchskutte der südländischen Büßer ähnelt, deren Kapuze das Gesicht verhüllt. Sie trugen Kerzen und Fackeln, als Lohn gab es ein kleines Almosen und sie durften das Gewand behalten. Es ist ihnen gelungen an die Stelle der Gefährten des Verstorbenen als auch der Klageweiber zu treten.

Die feierliche Prozession des Totengeleits ist vom 13. Jahrhundert an zum Symbol des Todes und des Leichenbegängnisses überhaupt geworden. Vordem war es die Grablegung, die diese Rolle spielte.

Ein solches Geleit ist auf der Grabplatte eines Sohnes des heiligen Ludwig dargestellt, ein Beweis dafür das es als Brauchtum vom 13.Jah. verbürgt ist. Die traditionelle Aufstellung des Gefolges ist in der Grabkunst bis zur Renaissance ungezählte Male zum Thema gemacht worden z.B. Philippe Pot im Louvre, die Herzöge von Burgund in Dijon.

Ein Jahrhundert später hat sich die Zahl der Armen nicht vermindert und sie ist noch immer für den gesellschaftlichen Stand des Testatars bezeichnend. Im Jahre 1712 sollen dem Trauerkondukt vorausgehen: 30 arme Männer, 30 arme Frauen sie bekamen vier Ellen Stoff um sich zu kleiden, jeder soll einen Rosenkranz und eine Kerze an einer Seite des Sarges tragen. Diese Art des Geleits gab es bis ins 18.Jahrhundert.

Bahrtuch: Der Sarg wurde während des Geleits verhüllt, wie auch der Leichnam selbst. Es war manchmal aus kostbarem Stoff gefertigt, den der Testatar zur späteren Verwendung als Messgewand für die Priester seiner Kapelle bestimmte; in der Folge wurde es dann zur schwarzen, mit makabren Motiven bestickten Hülle, die die Wappen des Verstorbenen oder seiner Bruderschaft oder die Initialen des Toten trug.

Literatur.

Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Hrsg. von Hanns Bächthold- Stäubli und E. Hoffmann-Krayer.10 Bde. Berlin 1927-1942.
Metken, Sigrid (Hrsg.): Die letzte Reise. Sterben, Tod und Trauersitten in Oberbayern.
Philippe Aries. Geschichte des Todes
Die Schwarze und die Weiße Braut, beim Begräbnis Lediger In: Das Waldviertel, Folge 4/6 1970 Fielhauer Helmut P.