Totenerinnerungen

Totenkränze die es schon seid der Antike gibt, deuteten früher bei Aufbahrungen den Stand der bzw. des Verstorbenen an: ein Myrthenkranz bei Ledigen, einen Eichenlaubkranz bei Militärpersonen, ein Lorbeerkranz bei Künstlern und Wissenschaftlern

Totenkrone

Totenkronen wurden meistens jungen unverheirateten Mädchen mit ins Grab gelegt. Nach christlicher Auffassung, war es wichtig das jeder Mensch verehelicht sein sollte und musste wenn es im Leben versäumt wurde, im Tod nachvollzogen werden. So das die Totenkrone auch als Brautkrone anzusehen war. Auch symbolisiert die Totenkrone die Jungfräulichkeit.

Totenkronen sind erst seid dem 16. Jahrhundert belegt, sie waren dann zur Zeit der Aufklärung fast verschwunden, kamen im Biedermeier aber wieder auf.

Die Totenkrone war ein sehr filigranes Geflecht aus Silber und Eisendraht. In dem am 20.12.1994 entdeckten Grab eines Mädchens auf dem Kirchhof der barocken Kirchenruine der Frauenkirche fand man eine dieser Totenkrönchen. Bei der gefundenen Totenkrone, befanden sich mit eingearbeitete Gewürznelken und Totenmyrtheblätter.

Die Leihkronen sind mehr überliefert, als die tatsächlich aus Gräbern geborgenen Totenkronen.

Gerade im 17. Jahrhundert gab es einige Verordnungen, weil die verschwenderische Gestaltung der Kronen oft über Hand nahm.

Die Kirche wollte den Brauch nicht ganz unterbinden, so stellte sie für die Dauer der Begräbnisfeierlichkeiten „Leihkronen“ zur Verfügung, die aber vor der Bestattung der Verstorbenen wieder in die Kirche kamen. Diese Leihkronen waren in einigen Gemeinden aus Metall und wurden in einer Lade aufbewahrt.

In Mitteleuropa war der Brauch der Totenkronen weit verbreitet es gab ihn bei Protestanten und Katholiken. Mädchen und Jungen die nicht verheiratet waren bekamen beim Tode eine Totenkrone. Diese hielt der Verstorbene in der Hand  oder man stellte sie am Kopfende, des Sarges, während der Trauerfeier auf.

Nach der Beerdigung brachte eine Totenfrau die Totenkrone zurück zur Kirche, von Angehörigen wurde sie auf den Altar gestellt bis ein Holzkasten mit einer Epitaphientafel angefertigt war. Meist ließen die Eltern oder Paten der Kinder die Totenkronen anfertigen.

 

Eine Totenkrone besteht aus einem Kissen mit langen breiten Seidenschleifen, bei einem Jungen wölbte sich über das Kissen ein Blumenkranz, bei Mädchen wurde ein Blumen-, bzw. Perlenkranz um das Kissen gelegt. In der Mitte des Kissens (Schlummerkissen genannt) steht der Name. Die Totenkrone hing später über dem Kirchstuhl der Mutter oder am Kircheneingang.

Auf der Epitaphientafel sind Geburts- und Sterbedaten auch Stifter der Krone genannt. Sehr oft waren das die Eltern, aber auch bei älteren Verstorbenen die Geschwister
Neben den Totenkronen gab es auch Kränze, die seid dem 19. Jahrhundert in Glaskästen auf bewahrt wurden. In dieser Zeit machte man aus Haaren verstorbener Personen „Haarkränze“ zur privaten Erinnerung kamen sie in einen speziellen Glaskasten oder Rahmen.
Auch muss man immer bedenken das diese Bräuche von Gemeinde und Gebieten meist etwas unterschiedlich waren oder auch ganz unbekannt.

Weitere Informationen zu Totenkronen:
http://www.outoftime.de/museumuslar.html
Gerald Bamberger: Totenkronen von ca. 1750 bis 1850 im Großherzogtum Hessen in: Der Tod. Zur Geschichte des Umgangs mit Sterben und Trauer, Seite 99-111
Kranz und Krone im Ledigenbegräbnis, Beispiel aus Hessen und dem Harz von Gerhard Seib in: Wie die Alten den Tod gebildet, Kassler Studien zur Sepulkralkultur Hrg. Dr. Hans Kurt Boehlke, Seite: 113-119

Eine umfangreiche Sammlung von Kranzkästen und Totenerinnerungen gibt es im Museum für Sepulkralkultur bei Kassel.

Haarbilder und Kranzkästen:

 Im vorfotografischen Zeitalter galt das Haar als Inbegriff der Identität. In alten Geschichten wie die von Samson, wird erzählt, dass der Mensch mit seinem Haar seine Persönlichkeit und seine Kraft verlieren könne. Darum flocht man früher aus den Haaren Verstorbener kunstvolle Gebilde, schmückte sie mit einem schönen Rahmen und bewahrte so die Erinnerung an den Verstorbenen.

 Diese wurden auch „Zimmerdenkmahle“ genannt und hatten fast den Charakter eines Hausaltars. Auch hatten diese Erinnerungen eine tiefere Bedeutung. Kein Leben soll vergebens gewesen sein.

Der Kranz und die Krone spielen hier wieder eine wichtige Rolle als Symbole. Blumen, Papier und Draht wurden in Kranz oder Herzform gebunden und, in Kästen verglast, danach in Kirchen oder zu Hause als sichtbare Erinnerung aufbewahrt.

Totenbretter

Um einen Verstorbenen aus dem normalen Volk wurde nicht viel Aufhebens gemacht. Man nähte ihn nach uralter Sitte in ein Leichentuch und legte den toten Körper auf ein Brett, mit diesem wurde er zum Friedhof gebracht und auch ins Grab hinuntergelassen..

Auf eine Bank oder zwischen zwei Stühle wurde das Brett gelegt, auf diesem dann die Leiche bis zum Begräbnis aufgebahrt.

Mit dieser Brettunterlage wurde der Leichnam zum Friedhof gebracht, dort ließ man ihn mit dem Brett hinunter, oder schob den toten Körper, mit den Füßen voraus auf dem Brett in die Grube, dann wurden die Stricke gelöst und man zog das Brett wieder hoch, so das der Leichnam langsam auf den Grabboden rutschte.

Wenn man das Bahrbrett nicht im Grab ließ, wurde verschieden damit verfahren.

Manchmal blieb es beim Grab, oder es wurde verbrannt, auch wurde es für weitere Todesfälle aufbewahrt. Man legte das nicht lackierte Brett z.B. über Wassergräben, nagelte es an Bäume, stellte es bei Kapellen auf. Alles Orte wo viele Menschen vorüber kamen und des Verstorbenen gedenken sollten. So wurde das Aufbahrungsbrett mit der Zeit zum christlichen Erinnerungszeichen an den Verstorbenen, zum eigentlichen „Totenbrett“.

Die ersten Totenbretter hatten auf der Seite wo der Leichnam lag drei Kreuze, die eingeritzt, gezeichnet oder eingebrannt waren.

Mit der Zeit kamen dann die Anfangsbuchstaben des Namens und das Todesjahr des Verstorbenen hinzu. Man fing an das Brett zu hobeln, die Ecken wurden entfernt. So bekam das Brett langsam eine Form. Oben wo der Kopf des Verstorbenen ruhte, wurde es teilweise  abgerundet. So wurden die Bretter individueller, manche verkürzten es auf 80 cm oder es hatte eine Länge bis zu 2 m.

Inschriften wurden nun auch Umfangreicher, das Brett wurde vorher gefärbt und es kamen schöne Verzierungen und Sinnsprüche hinzu, je nach persönlichen Geschmack und Geldbeutel des Bestellers. Danach wurde das Totenbrett aufgestellt und dem Wetter überlassen. Sie verblichen brachen aus ihrer Befestigung, zerfielen und vermoderten. Sinnbildlich endete die Leidenszeit der Seele im Fegefeuer mit dem Zerfall des Brettes. Deshalb wurde es bei uns auch nicht mehr renoviert oder hergerichtet, repariert oder restauriert (Staniczek, „Der Herrgott auf dem Feld“, Vohenstrauß 1990, S.49)

Heute dient das Totenbrett nicht mehr zum Aufbahren und Grablegen. Es wird eigens zum Andenken an besonders geeigneten Orten aufgestellt.

Totengedenktafeln:

 In Grafenwöhr bei der ehemaligen Schaumbachmühle gab es „Totengedenktafeln“ oder bei der Wallfahrtskirche „Heinersreuth“. Die Form der Tafeln, Satteldach, untere Hälfte gebaucht, unten spitz zulaufend, mit Name, Beruf, Alter, Geburts- und Sterbedatum.

Totenzettel:

Dieser Brauch  stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und war in Holland üblich. Aber auch im vorherigem Jahrhundert gab es schon „handgeschriebene“ Vorläufer der Totenzettel“.

Meist war es die katholische Geistlichkeit und der Adel, denen man nach dem Tod mit diesen Totenzettel gedachte, später wurde es allgemein üblich und zu einer Sitte.

Dieser Brauch breitete sich von Holland über das katholische Europa aus. Erst in den Städten und dann immer mehr auf dem Land wurden sie als Trauerandenken gedruckt und verteilt. Durch die Kriege 1866 und 1870/71 wurde dieser Brauch besonders in Deutschland, hier mehr auf dem Land üblich. Die auf den Schlachtfeldern dieser Kriege gefallener Männer und Söhne die dort fern der Heimat ihre letzte Ruhestätte fanden wurde mit diesen Sterbezetteln gedacht.

Auch sind die Sterbezettel von Ort zu Ort verschieden. Bekannt waren sie unter Sterbezettel oder -bilder, Totenzettel oder –bilder.

In der Regel enthalten sie den Namen, das Geburts- und Sterbedatum und Sterbeort des Verstorbenen. auch können der Beruf, Lebenslauf, die Familie mit Ehepartner und Kindern sowie die Todesursache aufgeführt sein, auch wurden besondere Ehrungen und Auszeichnungen erwähnt.

Nachdem die Fotografie erfunden wurde fand man auf vielen Sterbezettel, ein Bild des Verstorbenen. Daher die Bezeichnung „Sterbebild“.

Vieler Orts werden diese Trauerbildchen und Trauerzettel gesammelt.

Quelle:
Brunold Bilger, Ursula: Das Totenbildchen, Entstehung und Wandel eines religiösen Brauches. In: Baumgarter, Jakob: Wiederentdeckung der Volksreligiosität, Regensburg 1979 (S. 291-301)

Funeral- oder Totenwappen:

Sie dienten zur Ausschmückung von Leichenbegängnissen und Totenmessen, angebracht an den Schabracken der den  Leichenwagen ziehenden Pferde, in der Kirche am und rund um den Katafalk. Normalerweise umschloß ein breiter ovaler schwarzer Rahmen, in dem die Initialen von Namen und Titeln sowie das Sterbejahr des oder der Verstorbenen gestellt sind, das farbige Familienwappen der betreffenden Person. Bei Frauen war es meist die Form eines Allianzwappens. Selten ist das Wappen gestürzt oder die Adelstitel können fehlen.

Es wurden meist Leimfarben benutzt, Silber und Gold sind leuchtend gehalten. Die Wappen hatten ein prunkvolles Aussehen, das mit dem schwarzen Hintergrund an ihrem zugedachten Platz gut zur Geltung kam. Heute noch kann man Nadeln und Bänder finden mit denen die Wappen an Vorhängen  und Decken befestigt waren. Oder massive Spritzer von Kerzenwachs die einstige Nähe zum Leichnam.

Totenwappen Philippe Pot 1493

Zusätzlich angebrachte Blätter mit silbernen Totenköpfen mit verschiedenen Attributen von Moder und Vergänglichkeit auf schwarzem Grund, dies verstärkte den „Memento-mori-Charakter der Funeralwappen noch.

Als Träger der Ahnenwappen oder auch anderer Wappengruppen trat das Trauergefolge bei Begräbnissen hochadliger Personen oft auf. Die meist schwarzen, mit dem Ahnenwappen bemalten Trauerfahnen wurden dann in der Begräbniskirche aufgehängt, wo sie, von der schwarzen Farbe zerfressen, langsam vergehen. Dem konnte man entgehen wenn man dauerhaftes Material, zum Beispiel Holztafeln, verwandte, die in Schweden immer noch Funeral-Banner heissen. Es gibt sehr genaue Bildberichte die nicht nur die Tracht auch die Wappen und Fahnengeschichte darstellen.

Auf den Bannern, in deren Begleitung Königin Elisabeth I von England zu Grabe getragen wurde,
erscheinen die Ehewappen ihrer leiblichen Vorfahren aus zwölf Generationen. (Wappenkunde Ottfried Neubecker)

Funeralwaffen
(lat. funus = Leichenbegängnis):

Über ein Rittergrab angebrachte Waffen. Zu ihnen gehört der Totenschild (Wappenschild), seid dem 13. Jahrhundert bekannt.

Wappenhelme als Symbole der Macht des Verstorbenen. Bei Monarchen wurden sie häufig von Gesandten der Länder, über die der Verstorbene geherrscht hatte, zu den Begräbnisfeierlichkeiten gebracht und verblieben in der Domkirche.

Zu den bekanntesten Funeralwaffen zählt der mit einer geschlossenen Krone überhöhte Totenhelm (Kronhelm) Kaiser Karls V.(1500-1558). Er wurde im Auftrag seines Bruders, König Ferdinands I., zu Ehren des Verstorbenen von dem Plattner Anton Pfeffenhauser 1559 angefertigt und blieb im Dom von Augsburg nach der Trauerfeier.

Totenschild:

In der Heimatkirche wurde ein schildförmige Totengedenktafel für „Personen von Stand“ angebracht. Seid dem 12. Jh. gab es eine Sitte, den Schild eines verstorbenen Ritters mit seinen Waffen in der Kapelle der Heimatburg aufzuhängen.

Die Totenschilde der reichen Bürger bestanden aus Holz, das mit Pergament (Leder) bespannt, grundiert und mit Malereien reich verziert war.
Eine Sonderform waren die in Deutschland um 1600 verbreiteten prunkvollen runden Totenschilde, Sammlungen sind im german.. Nationalmuseum in Nürnberg und im Museum der Universität Marburg aufbewahrt.

Im Barock wurden die Totenschilde durch Epitaphe abgelöst.

Totenschild 1639

Wachslichter zum Gedenken:

 Die zum Gedenken auf die Gräber gestellten Wachslichter an Allerheiligen oder Allerseelen haben einen sehr religiösen Hintergrund. Der Lichterschmuck soll die Grabbesucher ermahnen für den Verstorbenen ein Gebet zu sprechen. Das Allerheiligenfest stammt aus dem Jahr 610 und erinnert an die Märtyrer, die ihr Leben aufgrund religiöser Überzeugungen opferten. An Allerseelen wird jener gedacht, die im Fegefeuer noch auf Erlösung warten müssen. Früher war es Brauch an Allerseelen die Toten zu bewirten, die Sitte des Speiseopfers hat sich bis heute in Südamerika erhalten. Zum Andenken an den Verstorbenen legt man ein Brotstück auf das Grab. Bei den evangelischen Christen ist im November der Totensonntag seid dem 15. Jahrhundert Brauch.

 

Totenrotel

Es besteht aus vielen aneinander geklebten Pergamenten. In ihm wurde das Ableben eines Klosterinsassen vermerkt. Die Stationen waren aufgezeichnet, die der Rotelbote aufsuchen musste, dies waren meistens Nachbarklöster.

Mit der Todesnachricht auf dem Pergament reiste der Rotelbote zu den angegebenen Orten und bekam bei jeder Stadion die Übermittlung der Nachricht bestätigt. Auch wurden dabei nur schwarze Siegel verwendet. Wenn der Bote wieder zurück im Heimatkloster war wurde das Pergament an die im Kloster verwahrten Totenrotel (Verbündungsbuch) angeklebt. Die Bewandtnis mit dem Totenrotel ist folgende. Viele Klöster waren durch so genannte „Gebetsverbrüderung“ verbunden die ersten Gebetsverbrüderungen ergaben sich im 6./7.Jh. in Mönchsklöstern des angelsächsischen Raums und gingen dann auf das Kontinentaleuropa über. Der Zweck war, dass beim Tod eines Mitbruders auch die Insassen der konföderierten Klöster für dessen Seelenheil beteten, dadurch wurden sehr viele Gebete für den Toten gesprochen. Es galt als sehr wichtig das in den ersten 30 Tagen, der Seele des Verstorbenen mit Gebeten und Fürbitten beizustehen und dadurch auch den Aufenthalt im Fegefeuer abzukürzen.

Nicht mit einer Gebetsverbrüderung in Zusammenhang gebrachte Verzeichnisse von Verstorbenen, die einer Klosterbruderschaft angehörten, heißen Nekrologien.

Nekrolog:

1. Nachruf auf einen Verstorbenen in Form eines biographischen Lebensabrisses.

 

2. Bezeichnung für ein kalenderartiges Verzeichnis der Toten einer mittelalterlichen Gemeinschaft etwa einer Gilde, Zunft oder Klosterbruderschaft.

Es diente auch dazu das man die alljährliche Selenmesse am Todestag nicht vergass, auch wurden Wohltäter der Gemeinschaft vermerkt. Durch die Nekrologien konnte man Objekte die einer Kirche gestiftet wurden genau datieren.

Nekrologien wurden auch im Mittelalter oft in Form von „Diptychen“ angelegt.

Im Mittelalter waren Diptychen besonders bei den so genannten Gebetsverbrüderungen gebräuchlich um darin die Namen von Lebenden und Verstorbenen festzuhalten, für die gebetet wurde.

Trauerschmuck

Diptychon Wachstafel für Notizen

Trauerring, weißes Emaille, einer unverheirateten Frau.

Den Trauerschmuckbrauch gab es schon im 14 - 16. Jahrhundert durch verteilen von Trauerringen. Meist stand in der letztwilligen Verfügung, dass Gedächtnisringe verteilt werden sollten. Viele dieser Ringe enthielten eine Haarlocke, die entweder im Ringkopf oder als Flechte um die Schiene geschlungen war. Bekannt, und zur Modeerscheinung wurde der Schmuck erst im Biedermeier. Meist war der Trauerschmuck aus Materialien wie schwarzer Jett*, Elfenbein, Perlmutt und Menschenhaar das an den Enden mit Gold eingefasst war. Die einfachste Art des Trauerschmucks ist der „Trauerring“ in dessen Ringschiene der Name des Toten und das Sterbedatum eingraviert ist.

Die spätmittelalterlichen und Renaissanceringe mit Gestaltungen von Totenköpfen sind kein Trauerschmuck, sondern Memento-Mori-Darstellungen.

*Jett:
Magische Bedeutung sagte man der Schmuckkohle im Mittelalter nach. Durch kleine an der Haustür befestigte Kreuze aus „Agtstein“ so der im Mittelalter gebräuchliche Name für Jett und auch für Bernstein glaubte man, Hexen den Eintritt verwehren zu können. Rosenkränze wurden mit Vorliebe aus dem geheimnisvollen Material gemacht.

Agtstein oder Jett

Totenleuchten

Ab dem 12.Jh.in Frankreich dann vom 13.-19.Jh. auch im dt. Sprachraum.  Totenleuchten sind freistehende Pfeiler meist mit einem Kreuz gekrönt. Auf Friedhöfen und Totenkapellen oder Karnern (Beinhäuser) sind sie zu finden. Es gibt sie auch als tabernakelartige Gehäuse, als Lichtnischen (Straubing, Karnerkapelle bei St. Peter) ausgebildet an Kirchen (Augsburg, Domkreuzgang) oder Friedhofsmauern. Der Zweck der Totenleuchten war, den armen Seelen ein Licht zu brennen zum Schutz vor Dämonen und bösen Geistern.

Eine der ältesten Totenleuchten in Deutschland, wurde 1268 im Friedhof des ehemaligen Zisterzienserklosters von Pforta errichtet.

Die Urne

Die Urne ist ein sichtbares Zeichen des Totengedenkens als auch ein Memento Mori Symbol. Sie wird schon seid der Bronzezeit als Aufbewahrungsgefäß der Totenasche benutzt. Die Urne ist fast immer aus Ton oder Metall. Eine aus Ton gefertigte Sonderform hatten die Etrusker, sie war büstenförmig, so genannte Gesichtsurnen

Urne aus der Bronzezeit

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Oft waren die Urnen  vasenförmig mit Deckel in Verbindung mit antikisch gekleideten Frauengestalten, seit ca. 1785 bis zu den romantischen Strömungen des Biedermeier beliebt. Im Zusammenhang mit Festons oder Girlanden aus Blüten oder kleinen Putten waren die Verzierungen.

 Die Darstellungen galten als Totengedenken aber auch als Freundschaft- oder Liebesgaben, ein Symbol für ewige Verbundenheit.

Totenschüsseln

Gesichtsurne um 200 n.Chr.

Ist wohl ein längst vergessener Brauch. Das Museum der Schwalm in Ziegenhain bewahrt solch eine „Totenschüssel“ als Leihgabe auf. In vielen Gegenden wurde das Waschzeug mit dem man den Verstorbenen gewaschen hatte zerschlagen wenn man den Sarg zu Grabe trug.

Aber nicht immer waren die Schüsseln ganz zerstört oder wurden weggeworfen, man durfte sie nicht mehr benutzen und irgendwo verbannte man sie auf dem Dachboden. Damit die Schüssel  auch wirklich nicht mehr benutzt wurde schlug man ein Loch in den Boden. Auch hatten die Schüsseln manchmal eine Inschrift, die am Schüsselboden stand z.B. „Mit Gott fang an mit Gott hör auf das ist der beste Lebenslauf.“ Wahrscheinlich wurde die Schüssel wegen dieses Spruches bewusst ausgewählt.

Aus Leimsfeld stammt eine weitere Totenschüssel, auch sie wurde auf dem Dachboden mit einem Topf der nachweislich zur Totenwaschung benutzt wurde verwahrt, dieser hatte allerdings wieder ein Loch im Topfboden so das er unbrauchbar wurde.

Aber speziell zur Totenwaschung angefertigte Töpferware scheint in der Schwalm nicht nachweisbar zu sein.

Die Suche nach Nachweisen für den Umgang mit Totenschüsseln, führte zu schriftlich überlieferten Brauchtumsbeschreibungen für den Bereich des thüringischen Niederhessen: „Unter dem aufgebahrten Sarg stellte man das Gefäß mit lautem Schalle und die Haustür wird alsdann kräftig ins Schloss geworfen …“  Für das fränkische Niederhessen wurde auch berichtet, „dass beim Aufheben des Sarges im Hausflur das Gefäß zerschlagen wird, aus welchem der Tote gewaschen wurde.“ Offen bleibt in diesen Beschreibungen, wie so eine Schüssel aussah, ob es sich um eine neue, für diesen Verwendungszweck etwa eigens hergestellte Ware (meistens eine getöpferte Schüssel) handelte, oder ob man ein ausrangiertes Stück benutzte. Es wird nur von Zerstörung des Waschgefäßes gesprochen.

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Ein Tonteller der eine Beerdigungsbeigabe aus der Zeit um 1875 war, fand ein Gerstunger Gemeindearbeiter beim Kiesgraben. Wahrscheinlich aus Pietät und damit niemand mehr davon essen sollte, hat man ihn in den Sarg gelegt.

Auch wurde ein Tonteller in einem Kindergrab gefunden das nach 60jähriger Liegezeit wieder benutzt werden sollte, die Jahreszahl 1895. Es war der Lieblingsteller und es sollte niemand mehr von ihm essen. Es hat hierbei nichts mit dem Gedanken an das seelische Fortleben oder einer Speisenmitgabe zu tun.

So wurden aus dieser Zeit Schüsseln und Teller immer wieder von Totengräbern gefunden und allesamt sind sie als „Grabbeigaben“ aufzufassen, die den Toten mit in seine letzte Ruhestätte gegeben wurden. Da die Funde sehr häufig auf dem Gerstunger Friedhof auftauchen handelt es sich um einen Brauch der in den 1880er bis 1890er Jahren bei Gerstunger Begräbniszeremonien vorkam. Es stellte sich heraus dass die damalige Totenfrau die Gesichter der Toten mit Essigwasser wusch. Die Teller und Näpfe, in denen das Wasser gemischt wurde, gab man den Toten mit. In einem anderen Vermerk wird gesagt, dass die Gefäße „mit in den Sarg gelegt“ wurden. Ein alter Totengräber meinte jedoch nicht „im Sarg“ sondern in der Nähe des Kopfendes. Leider sind schon viele genaue Details des Brauchs verloren gegangen. Vielleicht waren die Beigaben auch nur eine aus dem üblichen Rahmen fallende Gewohnheit der Totenfrau. Nur durch weitere volkskundliche Forschungen im Bereich der Sepulkralkultur oder ähnliche Vorkommnisse in anderen Regionen wären sicher dabei hilfreich.

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Quellen:

Totenschüsseln, Karl Baeumerth in: der Tod, Zur Geschichte des Umgangs mit Sterben und Trauer. Austellungskatalog, Hessisches Landesmuseum Darmstadt 2001

Bächtold-Stäubli, Hanns; Hoffmann-Kayer, Eduard: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Berlin u. Leipzig 1930/31, Bd.3, S: 1092- 1093:

„Grabbeigabe“: eine andere Bedeutung haben die Grabbeigaben die unmittelbar mit dem Verstorbenen in Berührung gekommen sind, alles was zur Leichenpflege und Kleidung gebraucht wurde, Bürste, Kamm, Seife, Waschtuch, Rasiermesser wurden in den Sarg gelegt, um dem Toten Ruhe zu verschaffen…

 

Perlkränze:

Von Frankreich aus verbreitete sich die Mode der Perlkränze so ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erreichte um die Jahrhundertwende auch das Hinterland. Die Dauergrabkränze waren bei den Katholiken und Protestanten gleichermaßen beliebt. Sie waren eine Kombination aus Heim und Fabrikarbeit: die Perlschnüre, Kranzkörper, Blätter und Blüten entstanden in Heimarbeit, das binden der Kränze wurde in der Fabrik erledigt. Durch Wanderhändler erfolgte der Vertrieb, später war es der Großhandel.

Perlkränze konnte man im Dorfladen oder in Eisenwahrengeschäfte beim Bestattungsinstitut in der Gärtnerei oder aber auch beim Hutmacher kaufen.
Perlkränze wurden gefertigt z.B. in Hobbach im Spessart und in Amorbach im Odenwald.
Neben Paris, Bordeaux und Lyon war das Elsaß und Lothringen wichtige Produktionszentren.
Glasperlen wurden aus Venedig bezogen, die Einlagen für dass Mittelteil der Kränze waren verschiedene Materialien, Figuren und Reliefs konnten aus feinem Porzellan sein aber auch Gips, die billigste Variante waren auf Pappmedaillons geklebte Öldrucke.
In der Fabrik brauchten fünf Frauen für einen 100cm hohen Perlkranz fünf bis sechs Stunden.
Unter der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg waren die „typisch französischen“ Perlkränze verboten. Die „couronnes a’ globe“, Kränze mit religiösen Motiven unter Glas, gab es nur noch für Kinder.
In den Dreißiger Jahren wurden durch immer mehr städtische Friedhofsverordnungen Perlkränze als Grabschmuck untersagt…

Perlkranz

Wie entstand ein Perlkranz:

Die Glasperlen wurden auf Bindfäden und dann auf dünnem Eisendraht gefädelt (herunter gespießt), mit der Perlenschnur wurden nun am Kranz die sichtbar stärkeren Drähte spiralförmig umwickelt, dies wurde in der Fabrik mit Hilfe einer Maschine gemacht, die auch dazu diente, die Kranzdrähte mit Papier zu umwickeln.

In Heimarbeit entstanden die Kranzkörper, ein Geflecht aus Stabperlen und runden Perlen, dies verlieh dem Perlkranz seine Stabilität, auch machte man zu Hause die Blüten und Blätter, die für die Buketts verwendet wurden.
Nach genauen Muster und Größenvorlagen entstanden nun die Perlkränze in der Fabrik.
Der Kranzkörper wurde nach vorgegebener Größe auseinander gezogen und in Form gebogen. Auf Pappe und Blech wurde die Größe der Glaskuppel übertragen und man schnitt beides zu. Die Einlage- eine Figur oder ein Relief aus Biskuitporzellan oder Gips- wurde mit der Pappe verdrahtet. Als Verschönerung gab es kleine Perlblüten oder Zweige, die mit verdrahtet wurden. Blech schützte dass Mittelteil von unten gegen Feuchtigkeit. Das Glas wurde nun eingepasst mit Perlschnur umwickelt und befestigt, es wurde zu allen Befestigungen immer nur Draht genommen. Werkzeug waren, eine Schere und eine kleine Zange die kaum aus der Hand gelegt wurde. Zwei Ringe aus stärkerem, Papierumwickeltem Draht gaben dem Ganzen noch mehr halt. Die umlaufenden Spitz- oder Rundbögen aus Perlschnur wurden ebenso wie die aufliegenden Dekore- Schnecken, „laufende Hunde“- über Holzmodel in Form gebogen und an den Kranzkörper angedrahtet. Nun das „Gehänge“ an die Unterseite. Zuletzt wurde das „Bukett“ aus Blüten und Blätter gebunden. Die Enden mit Papier umwickelt und am Kranzkörper befestigt.

Nach der Beerdigung wurden die Perlkränze als Dauergrabschmuck schräg ans Kreuz gestellt.
In Wittelsberg bei Marburg wurden vor 1910 Perlkränze für Kinder und Erwachsene als Grabschmuck verwendet. Die Kränze kamen auf das frische Grab. Sechs Wochen später kam der Kinderperlkranz in die Kirche, wo sie an der Empore sichtbar aufbewahrt wurden.
Zu den Seelenämtern legte man die Perlkränze der Verstorbenen in die Kirche. Diese Perlkränze wurden öfter verwendet oder sie wurden an Personen die nicht viel Geld hatten, ausgeliehen. Nach dem Gebrauch trocknete man die Kränze gut ab und verwahrte sie in einem Bezug auf dem Dachboden.
Von Ort zu Ort war der Brauch unterschiedlich, mal wurde für „Betuchte“ der Perlkranz an einem Metallständer befestigt und ans Grab gestellt oder man legte sie nur aufs Grab auch hängte man sie ans Grabkreuz.
1920 konnte man die Perlkränze oft im Krämerladen kaufen, meist erwarben Paten des Verstorbenen die Kränze.
In Schlierbach im Odenwald waren bis 1960 noch vereinzelt Perlkränze zu finden, die man an die Totenbretter hängte.
In Walldüren kamen die Perlkränze nur an Allerheiligen auf den Friedhof und an Allerseelen wurden sie wieder abgeholt und fürs nächste Jahr aufgehoben.

Quelle:

Von Perlenschnüren, „laufenden Hunden“ und Buketts, Marianne Jacoby in: Der Tod, Ausstellungskatalog, Hessisches Landesmuseum Darmstadt 2001

Werner Geiger: Totenbrauch im Odenwald, Lindenfels 1960

In: Sigrid Metken, Die letzte Reise, Sterben, Tod und Trauersitten in Oberbayern, München 1984 Hugendubel – Ulrike Zischka, Blechblumenschmuck und Perlkränze. S.339-342