Totenmasken

Ägypten

Da man an das jenseitige Weiterleben nach dem irdischen Tode glaubte, hatte die Totenmaske bei den unterschiedlichen Bestattungsriten immer einen Sinn. Besonders Herrschern wie Kaisern und Königen war sie lange vorbehalten. Immer war sie eng mit der kultischen und religiösen Gedankenwelt verbunden.
Aus dem alten Ägypten wurde die Totenmaske als Gesichtsmaske überliefert.
Um die Gesichtszüge ihrer Toten so gut wie möglich zu erhalten wurden diese Gesichtsmasken, Mumienporträts und Portraitköpfe gemacht.

Das war wichtig, weil nach dem Totenglauben und der Jenseitsvorstellung der Ägypter, die Seelen der verstorbenen nur dann in den Gefilden Jarus existieren können wenn Ka zuvor seinen alten Körper wieder gefunden und neu beseelt hat.
Man wollte jegliche Art von Verwechslungen ausschließen, die Menschen wurden hervorragend konserviert, Grabstatuen aus dauerhaftem Stein gemeißelt, und ein Ersatzkopf beigelegt falls der Originalkopf verloren geht
.

Dafür hat man den Verstorbenen Gesichtsabgüsse aus Gips abgenommen, diese wurden als Vorlagen für die individuell anzufertigenden Ersatzidentitäten genommen.
Auf lange Zeit wollte man die Gestalt des Toten erhalten durch den Gipsabguss des letzten Antlitzes. Sie ist das letzte bildhauerische Mittel, um posthum den „Portraitierten“ als Modell zu vertreten. Deutlich wird dies durch die Wahl des Zeitpunktes des Abgusses: Nicht wenn der Mensch noch jung, oder Jahre vor der Todesstunde geformter Lebendabguss, sondern der aktuelle Zustand, kurz nach dem der Körper „entseelt“ wurde. Jetzt diente das Gesicht zur Herstellung der bestmöglichen Orientierungshilfe für Ka, zu seinem Körper zurückzufinden!

Die Totenmasken die durch die Gesichtsabgüsse hergestellt wurden, die im Unterschied zu den heutigen Abgüssen auch Sepulchralmasken genannt werden können, wurden über die Gesichter der Toten gelegt und waren meist aus Goldblech getrieben. Oder Teil eines die Mumie umschließenden menschenähnlich gebildeten Sarges, wie das im Grabe Tutanchamuns gefundene, heute im Museum zu Kairo befindliche Stück.
Die späteren Mumienporträts waren die malerische Fortsetzung der dreidimensionalen Sepulchralmasken, durch Augustus Eroberung  Ägyptens hielt sie Einzug in die Bestattungsriten und verdrängte während der Regierungszeit Konstantins die immer noch benutzten Gesichtsmasken ganz.
Die Mumienportraits wurden auf Holz, manchmal auch auf Leinwand in Tempera- oder Wachsfarben gemalt, sie zeigen den Kopf des Toten und ein Stück bekleideten Oberkörpers.

Meist gar nicht oder nur flach gewölbt, waren die Mumienporträts über den Gesichtern der eingewickelten Mumien angebracht und stehen in der Tradition ihrer Vorläufer, es sollten für Ka identifizierbare Leichname sein. Sie könnten im weitesten Sinne als „gemalte Totenmasken“ bezeichnet werden.
Bei den Ägyptern gab es auch den Naturabguss im Sinne einer Fixierung der Gesichtsformen auf dem Sterbebett des Toten. Die Goldmasken die von den realistischen Gesichtsabdrücken angefertigt und zu Sargdeckelgesichter wurden, waren im eigentlichen Sinne eine Maske auf das Gesicht der oder des Toten gelegt.
Der langsame Verfall der persönlichen Gesichtszüge sollte verborgen werden, die Verwendung war in der Vorstellung der Ägypter ja zeitlich begrenzt, bis zur Rückkehr der Seele, die in den alten Körper zurück findet.

In Griechenland und Rom

In der Historia naturalis XXXV ist das Abformen von Gesichtern überliefert.
Plinius der Ältere erwähnt hier diese Technik als Erfindung des Lysistratos, einem Bruder des Lysipp, dass der Abdruck vom Gesicht mit Gips abgenommen, und danach die gewonnenen Gipsformen mit Wachs ausgegossen, und überarbeitet wurden.
Es gibt kaum Kenntnisse vom Aussehen und Verwendung solcher Abgüsse bei den Griechen.
Die goldenen Totenmasken aus Mykenä könnten vielleicht im Zusammenhang mit dem Abformen der toten Gesichter stehen. Die aus Blattgold gefertigten Masken wurden laut der Forschung, auf dem Gesicht der Verstorbenen angefertigt.
Noch vorhandene Wachsabgüsse aus dem alten Rom und Quellen, die zeigen, dass die Abformung von Gesichtern doch Bestandteil des römischen Ahnenkultes gewesen sein muss. (Museum in Neapel, Raccolta Cumana)

Diese Abgüsse waren keine Art von Grabbeigaben mit denen die Toten bestattet wurden. Sondern wurden kurz nach dem Ableben in Wachs gegossen, diese Gesichter hatten einen besonderen Platz und wurden im Familiensitz aufgestellt.
An besonderen Festtagen schmückte man sie und stellte die Abgüsse zur Schau. Oder sie wurden als Gesichtsmaske von Familienangehörigen bei Todesfällen im Leichenzug getragen.
Polybiusim 2.Jhd.v.Chr. erzählte von Prunkbegräbnissen: “Wenn sie nun begraben und die üblichen Gebräuche vollendet haben, stellen sie das Bild des Verstorbenen in den sichtbarsten Raum ihres Hauses in hölzernen Kapellchen auf. Es ist ein ausgezeichnetes, ähnliches, plastisch und malerisch ausgearbeitetes Porträt. Diese Bilder öffnen und schmücken sie ehrerbietig an den öffentlichen Festen, und wenn ein angesehener Familienangehöriger stirbt, so bringen sie sie in den Leichenzug, in dem sie sie Leuten anlegen, die an Größe und sonstigem Äußeren dem Betreffenden möglichst ähnlich sind.“ (Historia universalis, Buch VI, Kapitel 53).
Der Abguss des letzten Antlitzes war auch hier zeitlich begrenzt und wurde als Maske getragen. Der lebende Angehörige maskiert sich mit der Gesichtsform des Verstorbenen und nimmt für kurze Zeit dadurch die andere Identität als Stellvertreter der Vorfahren an der Trauerfeier teil.
In den späteren Ahnengalerien der Familien diente die Sammlung von Wachsgesichtern dem Ansehen der Nachkommen.
Mit Namen und Inschriften versehen und gut sichtbar wurden die Wachsbildnisse der römischen verstorbenen Familienangehörigen aufbewahrt und im Atrium des Hauses ausgestellt.
Nun wurden die Abgüsse nicht mehr als Masken getragen, lassen die Toten nicht mehr „lebendig“ werden, sondern verweisen auf die dargestellten Toten als Beleg für  eine fortdauernde Existenz ihres Familiengeschlechts.

Frankreich:

Hier war es Aufgabe des ersten Hofmalers nach dem ableben eines Königs, Wachsabgüsse von Gesicht und Händen anzufertigen. Während die Ärzte den Körper einbalsamierten, wurde unter der künstlerischen Leitung des Hofmalers eine lebensgroße Strohpuppe angefertigt. Eine „Effigies“ die den Leichnam bei den wochenlangen Begräbnisfeierlichkeiten vertrat.
An der Puppe wurde die „Totenmaske“ mit den eingesetzten Glasaugen, offenen Liedern und echtem Haar als künstlicher Kopf des Königs, und auch die Wachshände angebracht. Diese Schaupuppe war mit dem Krönungsmantel, Gewand und aufgesetzter Herrscherkrone den dazu gehörigen königlichen Attributen umgeben. Sie wurde eine Woche lang im Beisein der Mönche, des Hochadels und der Hofleute ausgestellt. Während  die Leiche des Königs schon längst im Sarg lag.
 Die Effigies wurde beim Trauerzug durch Paris auf dem Sarg liegend oder auf einer speziellen Bahre, zusammen mit der Leiche zur königlichen Gruft überführt.
Die damaligen Künstler verwendeten (1422 wurde das Verfahren bekannt) den Abguss vom Gesicht des toten Königs, es war Modell für eine Plastik, die den König als Lebenden darstellt. Man wollte hier keinen Abguss für die Nachwelt erhalten, sondern meist nach einem unerwarteten Tod des Herrschers wurde die Maske aus zeitlicher Not angefertigt.

Die Masken waren noch keine Erinnerungsbilder  sie hatten eine rein kultische Bedeutung. Hier zeigt sich wieder, dass der Abguss vom königlichen Antlitz eigentlich eine Maske war, jetzt von einer Strohpuppe getragen.
Ähnlichkeiten in den Praktiken sind auch aus England bekannt, z.B. 1377 bei Edward III,  1509 Heinrich VII von England.

Eine der ältesten belegbaren Datierungen europäischer Bildhauer ist die als Vorlage für eine Terrakottastatue abgenommene Wachsmaske des Bernardino de Sienna (gest.1444)..
Im 18.Jh. wird die „Totenmaske“ in Frankreich als Hilfsmittel zur Herstellung von Portraits benutzt.
Die Tätigkeit der Marie Grassholz, der späteren Madame Tussaud, wurde animiert durch die Beobachtung der Anfertigung einer „Totenmaske“(von Rousseau), sie entschloss sich danach 1780 ein so genanntes „Wachsfigurenkabinett“ zu eröffnen. Um Totenmasken für ihre Wachsfigurensammlung zusammenzutragen, nahm sie die durch die Guillotine abgetrennten Köpfe und wählte hier welche für einen Abguss aus.

•Ka: ägypt. Personifikation  der Lebenskraft und neben – Ba bedeutendster der beiden Seelenbegriffe. Ursprünglich ist der Ka die Zeugungskraft des Mannes, dann die „Mächtigkeit“ jedes Lebewesens und jeder Sache, deren Gegeneinander eine machtmäßige Abstufung aller Wesen bewirkt, und schließlich die weltbewegende Kraft des Königs. Der (männliche) Ka ist das Gegenstück zur (weiblichen)- Hemsut. Der Einzel-Ka wird von der Göttin- Meschenet während der Schwangerschaft geschaffen und begleitet den Menschen von der Geburt an. Er lebt nach dem Tod weiter, wobei das  Grab zum Ka-Haus wird,  Ka-Statuen erden im Grab aufgestellt. Vom Verstorbenen sagt man, dass er „zu einem Ka geht“, d.h. sich im Jenseits wieder mit ihm verbindet.

Die Abnahme der Totenmasken, tritt im 13.Jahrhundert zum ersten Mal auf. Sie steht mit der „représentation“ in engen Zusammenhang. Eine Maske wurde über das Gesicht des Toten gestülpt um die Ähnlichkeit der Darstellung zu sichern. Auch die Ähnlichkeit des Porträts des Verstorbenen auf dem Sarg musste gewährleistet sein.

Nach dem Tode des Heiligen Ludwig kam auf dem Rückzug der Kreuzfahrer nach Frankreich, Königin Isabella von Aragon bei einem Sturz vom Pferd in Kalabrien ums Leben. Auf ihrem leiblichen Grab (die Gebeine wurden nach Saint- Denis überführt) ist sie als Betende dargestellt, obwohl ihre Haltung lebensecht ist, ist ihr Gesicht das einer Toten, die Wange vom Sturz zerfetzt und durch eine deutlich sichtbare Naht kaum aneinander gefügt, die Augen sind geschlossen. Genau dies macht ganz klar, dass die Gesichtszüge des Leichnams nicht reproduziert wurden, um Angst zu machen oder als memento mori, sondern als realistische photographische Momentaufnahme der Persönlichkeit. Noch heute sagen wir, dass ein Porträt aus dem Leben gegriffen, dem Leben abgelauscht ist. Man lauschte es damals dem Tode ab und sah darin keinen Unterschied: man wollte ausschließlich lebenswahre Lebendigkeit erzielen.

Die so genannte makabere Epoche des 14. und 15.Jahrhunderts hat diese Praxis nicht außer Kraft gesetzt. Seid Anfang des 16.Jahrhunderts gibt es in Toulouse in Saint- Serin Statuen aus gebranntem Lehm, das die alten Grafen von Toulouse darstellt. Die Gesichtsformen sind nach Totenmasken gearbeitet.

Oft werden altägyptischen Totenmasken mit den europäischen Totenmasken verglichen aber hier handelte es sich um Masken für die Tote, während die europäischen Masken von Toten (für die Lebenden) darstellen.

Seid der Renaissance, spielen Totenmasken zwar keine eigenständige, jedoch eine dienende Rolle, entweder im Totenkult der Könige oder im Atelier bildender Künstler.

 Um 1900 gab es Sammlungen zu wissenschaftlichen Zwecken sie dienten vor allem der medizinischen und anthropologischen Forschung. Anhand dieser Masken sollte vor allem das „Außerordentliche“ untersucht werden: das Geniale an Künstlern und das Abnorme an Geisteskranken und Verbrechern (in Hamburg entstand so eine Totenmaskensammlung von hingerichteten Mördern, die als Lehrmittel in der kriminalpolizeilichen Ausbildung Verwendung fand).Die Totenmaske porträtiert einen Menschen ein letztes Mal und hält so ein Gesicht fest, das einmal war und nicht mehr sein wird. Vielleicht hat man auch so etwas tröstendes, das man berühren kann.

Quellen: www.totenmasken.de
 www.pohl-bestattungen.de/Totenmaske/totenmaske.htm
 Knauers Lexikon der Mythologie  ISBN 3-8289-4154-0
Philippe Aries: Studien zur Geschichte des Todes im Abendland, München 1981
Philippe Aries: Geschichte des Todes
Jörg Giray: Letzte Gesichter, letzte Porträts in Der Tod. Zur Geschichte des Umgangs mit Sterben und Trauer (Ausstellungskatalog Hessisches Landesmuseum Darmstadt)