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Den Totenschädel auf dem Gerippe aus Haut und Knochen schmückt hier ein roter Kardinalshut, dort ein Jungfernkranz, eine Narrenkappe, ein Nonnenschleier. Groteskes Beiwerk, das übrig bleibt, wenn dieser Tanz vorbei ist. Der hat in strenger Rangfolge, immer die gleiche Besetzung: von Papst und Kaiser über die ganze feine Gesellschaft des Mittelalters bis zum Bauern und Bettler. In der Begegnung mit dem großen Gleichmacher haben sie eins gemein: Ihnen ist nicht nach Tanzen. Viele heben abwehrend die Hand. Da muss beim Lübecker Totentanz der Tod den staubigen Papst am Mantel zerren, dem König geht es sogar an den Kragen. Da hilft es nichts, wenn im weltberühmten Basler Totentanz der Wucherer dem Tod ein Bestechungsgeld überreicht- der bleibt ungerührt auch von dem Blinden, dem er erst den Stock nimmt und ihm dann die Hundeleine kappt. |
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Erst am Ausgang des Mittelalters werden die Totengestalten im „makabren Tanz“ wie der Totentanz in Frankreich heißt, zum Tod schlechthin- dargestellt nun als „Knochenmann“, als lautloses Skelett, das keine individuellen Züge mehr trägt. Die Plötzlichkeit eines gnadenlosen Todes, nicht seine Normalität wird dargestellt, sondern das klagen der Stände, die ihren Abschied aus diesem Leben bejammern. Die Quellen für die Totentanzdarstellungen liegen im schriftlichen Bereich: Im 13.Jh.klagten die einzelnen Stände ihren bevorstehenden Tod in sogenannten Vergänglichkeitsgedichten (Vado mori) an. .Im gleichen Jahrhundert wird in der französischen Literatur die Legende von der Begegnung der drei Edelmänner mit den drei Toten publiziert ( bildliche Umsetzung im Campo Santo von Pisa und auf dem Pariser Friedhof „Les Innocentis“) |
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Die bildliche Darstellung eines Totentanzes ist stets mit Versen die über oder unter die jeweiligen Abbildungen geschrieben sind verbunden. Die Sprache der Verse ist leicht verständlich, volkstümlich und aus diesem Grund oft besonders eindrucksvoll Erst spät auch bedienten sich Mönche und Kanzelredner der Totentanzbilder .“Memento mori – gedenke des Todes“ warnten sie und empfahlen die Verachtung der vergänglichen Welt um des Himmelreichs willen.. Der Predigerorden der Dominikaner ( gegründet 1220-30 ) wurde wahrscheinlich zum ersten Auftraggeber für einen Totentanz ( Lateinischer Bilderbogen 1350 ). Die bald darauf entstandenen monumentalen Totentanz- Wandzyklen, die für jedermann zugänglich und vor allem verständlich waren, stellten demnach die bildliche Umsetzung von Bußpredigten dar- ein Massenmedium war entstanden. Noch viel könnte man Erzählen , aber eine, bisschen obskure Geschichte gibt’s da noch: In Italien entstand damals z. B. die Tarantella, ein wilder Tanz, dessen Extasse angeblich durch den Stich einer Tarantel hervorgerufen wurde, doch eher auf die Tanzwut zurückzuführen ist. Was hat das mit Totentanz zu tun? Einige Berichte beschreiben Situationen, in denen sich die Menschen im wörtlichen Sinn zu Tode getanzt haben. So noch ein paar Bildquellen: Konrad Witz 1440 erinnert im Großbasler Totentanz an die Pestzeit von 5.4.- 11.11. 1439, die Lübecker Bildfolge von Bernt Notke warnte 1463 vor der drohenden Pestwelle, Totentanzzyklus der Berliner Marienkirche, in Luzern Totentanzdarstellungen an der Spreuerbrücke von Kaspar Meglinger ( 1626-35 ) Jakob Hiebeler bekam den Auftrag für den Füssener Totentanz 1602, um ihn für die Annakapelle von St. Mang zu malen. Der Füssener Totentanz ist wohl der älteste erhaltene Totentanz in Bayern er gehört heute zu den bedeutenden Monumental- Totentänzen Europas. Nochmals Füssen, Friedhofskapelle St. Sebastian, Wandmalerei in Stuckumrandung.1724.. Lebendiger als in den Totentänzen ist der Tod nie dargestellt worden. Das Gründungsmitglied der Totentanzvereinigug Karl Josef Steininger hat eine interessante Erfahrung gemacht:“ Leute, die sich intensiv mit dem Tod beschäftigen, sind heitere Menschen.“ In diesem Sinne, seid heiter! Eure Rowane. |
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